Vorbeugung


Vorbeugung ist ein wichtiges Thema. Je früher man von Krampfadern, schweren Beinen, Besenreisern oder gar Thrombose betroffen ist, um so mehr stellt sich die Frage „Was kann ich selber tun?“ Die folgenden Tipps sind unterteilt in

Venengesundes Leben

Der Mensch wurde nicht dazu geschaffen, jeden Tag stundenlang rumzusitzen, daher gilt:
„Lieber laufen und liegen als Sitzen und Stehen.“
Das gilt für alle Tätigkeiten, insbesondere aber natürlich, wenn es um die Berufswahl geht. Zwar kann nicht jeder Briefträger werden und auch die laufen heute immer weniger, aber wenn möglich, sollten Berufe mit fast ausschließlich stehender Tätigkeit wie z.B. Arbeit am Fließband oder auch Berufe, bei denen ständig schwer gehoben werden muss, wie z.B. auf dem Schlachthof, besser gemieden werden, denn langes Stehen und schweres Heben machen die Sache deutlich schlechter.


Ausgleichssport ist gut, kleine Übungen zwischendurch sind besser
Viele Menschen glauben, dass sie mit zwei mal 20 Minuten Ausgleichssport pro Woche ihren venenbelastenden Alltag ausgleichen können. Das klappt sicher nicht. Der Ausgleichssport ist gut, keine Frage. Noch besser ist es aber zweifellos, die Belastung im Alltag zu reduzieren und lange Phasen des Stehens oder Sitzens zu unterbrechen. Im Sitzen kann das einfach darin bestehen, dass Sie in regelmäßigen Abständen mit den Zehen wippen und im Stehen darin, dass Sie immer mal wieder in den Zehenstand gehen. Häufige „Minigymnastik“ im Laufe des Tages ist deutlich effektiver als zwei große Trainingseinheiten vor oder nach der Alltagsbelastung.

Welcher Sport tut gut?
Das beste Sportgerät für den Venenkranken oder -gefährdeten ist der Hund, am besten einer, der drei mal täglich raus muss. Der Hund fordert von Ihnen genau das, was Sie brauchen: flottes Gehen, jeweils etwa 20 Minuten, mit gelegentlichen Sprints.
Im Übrigen sind alle Sportarten günstig, die einen gleichmäßigen Bewegungsablauf mit sich bringen, beispielsweise Walken, Golfen, Radfahren, Schwimmen, Tanzen, Rudern, Reiten, Langlauf, etc., solange Sie dabei keine Wettkampfambitionen entwickeln. Jeder Hochleistungssport bedeutet eine massive Steigerung des zu transportierenden Blutvolumens, die von Venenkranken nicht gut vertragen wird.
Zu den weniger günstigen Sportarten gehören Joggen wegen des Aufprallens der Füße und Tennis oder Squash wegen des abrupten Abstoppens der Bewegungen, Kraftsport wegen der immer wiederkehrenden, lang anhaltenden Bauchpresse, etc.
Es gibt keine Sportart, die strikt verboten ist, nur sollten Sie versuchen, Ihre Sportart nach den genannten Kriterien zu bewerten und ggf. den Sport mit Kompressionsstrümpfen durchführen, um Ihre Venen während der Belastung zu schützen. Für konkrete Fragen haben Sie die Möglichkeit der individuellen Beratung.

Welche Schuhe sollte man anziehen?
Schuhe sollten auf jeden das Abrollen der Fußsohle gestatten, Plateausohlen tun das beispielsweise nicht. Auch Sicherheitsschuhe erlauben kein Abrollen der Fußsohle, was aber nicht zu vermeiden ist. Sie machen daher unter Umständen die Notwendigkeit von Kompressionsstrümpfen dringlicher. Absätze sind nicht verboten, sondern im Gegenteil bis 4 Zentimeter ausdrücklich erlaubt. Höhere Absätze sind für einzelne Abende sicher in Ordnung, beeinträchtigen aber die Tätigkeit der Wadenmuskeln. Sollten Sie in hohen Schuhen müde Beine bekommen, so ist das also nicht überraschend, sondern eher ein selbstgemachtes Problem.

Was darf ich essen?
Alles, aber in Maßen, denn Übergewicht muss von den Beinen durchs Leben getragen werden und ist eine vermeidbare, zusätzliche Belastung. Wenn Sie Ihre Ernährung umstellen wollen, so empfiehlt sich die so genannte mediterrane Kost mit viel Obst, Gemüse, Fisch und Reis, aber eher wenig (fettem) Fleisch.


Vorbeugen gegen Krampfadern

Die Frage ist: Kann man das überhaupt? Und die Antwort ist: Jein.
Mit venengesundem Leben, Kompression (siehe dort) bei Belastung und gesundem Menschenverstand kann man seine Chancen verbessern, aber ein 100%iges Rezept zur Verhütung von Krampfadern gibt es nicht. Wenn die ersten Krampfadern auftreten, empfiehlt sich eine Untersuchung beim Venenarzt (Phlebologen), um zu klären, wie stark Sie betroffen sind und wann welche Maßnahmen ergriffen werden können. Die Einstellung: „Das haben in meiner Familie alle, da kann man nichts machen“ ist sicher falsch!


Vorbeugen gegen Stauungsbeschwerden

Wie schon beim Stichpunkt venengesundes Leben angesprochen, besteht das Problem darin, dass man langes sitzen oder stehen nicht durch Bewegung zu einem anderen Zeitpunkt kompensieren kann. Sie sollten also versuchen, die langen Stunden des Sitzens durch Übungen zu unterbrechen, bei denen die Wadenmuskulatur den Blutfluss in den Venen beschleunigt. Das klingt komplizierter als es ist. Überlegen Sie sich, was Sie mindestens einmal pro Stunde tun - z.B. beim Telefonieren oder einen Brief ausdrucken, egal was - und kombinieren Sie diese Tätigkeit mit einer unscheinbaren, aber hoch effektiven Übung: Sie ziehen die Zehen zur Nase bis die Waden anfangen zu ziehen. Die Hacken bleiben dabei auf dem Boden. Wenn Sie das jede Stunde 20 mal hintereinander schaffen, stehen die Chancen gut, dass Sie beschwerdefrei werden. Sollte das wirklich nicht reichen, werden Sie allerdings nicht um "richtige" Kompressionsstrümpfe herumkommen. Als Einstieg sind meist Kniestrümpfe der Kompressionsklasse II die richtige Wahl. Wenn auch die nicht helfen, würde ich als erstes nach einer anderen Ursache Ihrer Beschwerden suchen.


Vorbeugung gegen Besenreiser

Kann man Besenreisern vorbeugen? Nicht wirklich. Es gibt bestimmte Dinge, die man tunlichst nicht oder nicht oft tun sollte. Wie effektiv die zahlreich vorhandenen Vorsichtsmaßnahmen wirklich sind, vermag aber keiner zu sagen. Die Empfehlungen lauten unter anderem: Nicht oder allenfalls selten Sauna, extreme Sonnenexposition meiden, nicht lange stehen oder lange sitzen, keinen Sport treiben, bei dem die Bauchpresse stark eingesetzt wird. Manche warnen sogar vor Tennis, Surfen u.ä. (siehe venengesundes Leben) und immer wieder wird berichtet, dass Besenreiser im zeitlichen Zusammenhang mit einer Schwangerschaft oder einer Hormontherapie vermehrt aufgetreten sind.

Das ist sicher alles richtig, aber mir stellt sich bei so vielen Warnhinweisen immer die Frage: Und wo bleibt das Leben? Es wird hoffentlich keiner wegen Besenreisern auf ein Kind oder die Behandlung seiner Wechseljahresbeschwerden verzichten.
Auch tägliches Tragen von Kompressionsstrümpfen soll die Entstehung von Besenreisern vermeiden helfen. Um mit 80 - wem? - makellose Beine zu zeigen? Der wesentliche Grund für die Besenreiser ist nun mal die Veranlagung und dagegen kann man nicht vorbeugen.

Mein persönliches Vorgehen: Lassen Sie die Besenreiser wegmachen, die Sie wirklich stören. Beachten Sie Vorsichtsmaßnahmen, wenn es Ihnen leicht fällt, aber vergessen Sie darüber nicht den Spaß am Leben.


Vorbeugung gegen Thrombose

Zur Vermeidung einer Thrombose gibt es Allgemeinmaßnahmen und bei besonderer Gefährdung die Möglichkeit, Heparin zu spritzen (siehe dort). Es ist sicher sinnvoll, sich möglichst gar nicht erst in thrombosegefährdende Situationen zu begeben, siehe Risiken. Das lässt sich natürlich nicht immer vermeiden, weil z.B. eine OP erforderlich ist, Sie eine Grippe bekommen oder eine mehrstündige Busreise ansteht. Sie verringern Ihr Thromboserisiko, indem Sie genügend trinken, die Wadenpumpe betätigen (siehe Vorbeugung gegen Stauungsbeschwerden) und bei Bedarf Ihre Kompressionsstrümpfe tragen. Medikamentöse Möglichkeiten sind nachweislich die Gabe von Heparin, die Sie bitte mit Ihrem Arzt besprechen sollten, der das Heparin auch rezeptiert. Ob ASS hilfreich ist, wird unterschiedlich eingeschätzt.


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